„wir. jetzt!“ für Geflüchtete: Unterstützung und Hilfe gibt es nie zu viel

Voll gepackte Rucksäcke
Wir wollen helfen. Jetzt! Und zwar in unserem direkten Umfeld, dort, wo wir helfen können. Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Gemeinsam mit der Stiftung DKD Deutsche Kinderdirekthilfe haben wir daher die Aktion „wir. jetzt!“ ins Leben gerufen, mit der wir Familien und junge Geflüchtete in Bonn und in Königswinter bei ihrem Neuanfang in Deutschland unterstützen.

Aber ohne Alia Yacoub wäre die Aktion wohl gar nicht erst zustande gekommen. Denn sie hat den Kontakt zu den Verantwortlichen der Flüchtlingsunterkünfte in Bonn und Umgebung hergestellt. Sie selbst stammt aus Syrien und ist wegen der Liebe in Deutschland geblieben. Als ehrenamtliche Fee ist sie unterwegs, um Geflüchteten ihre Hilfe anzubieten.

Vor 22 Jahren entschied sich Alia ihre Sachen zu packen, um in Bonn zu promovieren. Sie hatte Agrarwissenschaften an der Universität in Damaskus studiert. Obwohl sie eigentlich nie ins Ausland wollte, hat sie doch den großen Schritt gewagt.

Nach ihrer Promotion wollte Alia eigentlich gar nicht in Deutschland bleiben, denn sie hatte eine gute Stelle an der Universität von Damaskus sicher. Doch dann traf sie ihren heutigen Mann Christoph auf dem Flur des Studentenwohnheims und ihre Pläne änderten sich. „Ich bin nach Bonn gekommen und geblieben. Bonn ist meine Wahlheimat.“ Mit der Integration hatte sie nie Probleme und auch ihre Kommilitonen im Studentenwohnheim haben ihr schnell das Gefühl gegeben dazu zugehören. „Ich habe mich sofort willkommen gefühlt. Das würde ich mir für jeden wünschen, der nach Deutschland kommt.“

Sprache ist eine Brücke

Noch während die Anträge zur Promotion liefen, besuchte Alia bereits einen Deutschkurs. „Ohne die Landessprache verstehst du nicht, was die Leute sagen, und auch nicht, warum sie sich so verhalten, wie sie es tun. Die Silvestertradition der Deutschen mit großen Feuerwerken ist hier ein gutes Beispiel. Für Syrer ist das einfach nur verrückt“, lacht sie herzhaft.

Alia Foto

Die Flüchtlingskrise hat auch Alias Leben verändert. Ihre Eltern und ihr Neffe sind vor dem Krieg in Syrien geflohen und nach Deutschland gekommen. Alia kümmert sich um sie und hilft ihnen so gut es geht. Außerdem hat sie sich beruflich umorientiert. Sie möchte Geflüchteten helfen, hauptberuflich. Darin geht sie auf. „Ich möchte Deutscheinsteigerkurse für Frauen geben. Nicht nur, um ihnen die Sprache beizubringen, sondern auch deutsche Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für viele Frauen wäre das eine neue Chance.“ Dafür drückt sie sogar noch einmal die Schulbank. „In Deutschland braucht man für alles eine Bescheinigung“, zwinkert sie verschmitzt.

 

Gute Feen kann es nie genug geben

Alia erledigt mit ihren Schützlingen Gänge zum Ausländeramt, sammelt Kleider und Bücher. Auch Wohnungen stehen auf ihrer Liste. Aktuell sucht sie eine Wohnung für eine syrische Familie und ihren Neffen. Privatsphäre sei ein großes Gut, dass vor allem Familien mit Kindern bräuchten, nicht nur im Hinblick auf Infektionskrankheiten, sondern auch auf das Erlebte. Sie hat für jeden ein offenes Ohr, der es benötigt. „Ich darf die Probleme nur nicht zu nah an mich heranlassen. Vieles, was die Leute erlebt haben, ist unbeschreiblich.“ In Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn und der Freien Evangelischen Gemeinde gibt sie bereits auf ehrenamtlicher Basis Deutschkurse. „Viele kommen aus Kriegsgebieten. Es sind vor allem Syrer, Iraker und Kurden.“

Aber auch Kühlschränke, Betten oder Sofas werden benötigt. „Aktuell schlafen einige der Familien auf dünnen Matratzen, die auf dem Boden liegen. In einem der Heime gibt es für eine Etage nur eine einzige Toilette. Bewohnt wird sie aber von ungefähr 60 Personen.“

Hilfe und Unterstützung von Freiwilligen könne man daher nie genug haben. Die Verantwortlichen in den Heimen seien sehr engagiert, es werden aber immer Leute gebraucht, vor allem, da es Vorurteile gegen Geflüchtete gäbe. „Wenn man ehrenamtlich arbeitet, ist die Brisanz der Lage eigentlich uninteressant. Man muss die Situation nehmen, wie sie ist. Das Allerwichtigste ist Handeln! Man darf die Geflüchteten nicht durch Nichtstun bestrafen. Immerhin können sie nichts für bürokratische Hürden und politische Entscheidungen.“

„wir. jetzt!“ kommt zur richtigen Zeit

Alia ist mehr als dankbar, dass es Aktionen wie “wir. jetzt!“ gibt. Daher war es ihr eine Freude den Kontakt zur Freien Evangelischen Gemeinde herzustellen, die sich um Geflüchtete in und rund um Bonn kümmert. „Ich finde die Aktion großartig. Gerade für das Heim, in dem erst vor Kurzem junge Männer angekommen sind, kommt die Aktion wie gerufen. Man zeigt diesen Menschen, dass sie willkommen sind und dass man ein Gefühl dafür hat, was sie erlebt haben.“

kiste wir jetzt

 

Mehr über unsere Aktion "wir. jetzt!" erfahren Sie unter: www.beta-web.de/wir-jetzt

 

 

Melanie Günther

Melanie Günther

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