Was man von Dr. Eckart von Hirschhausen noch lernen kann

Was man von Dr. Eckart von Hirschhausen noch lernen kann

Seit März dieses Jahres bin ich Volontärin bei beta-web. Ich versorge die Leserschaft unserer Healthcare-Portale mit News, Interviews und Videoreportagen zu relevanten Themen aus der Welt der Medizin. Auch der bekannte Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen ist Journalist und Mediziner. Bei der Medien-SommerAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn hielt er einen Vortrag über den konstruktiven Journalismus. Ein guter Grund für mich, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Journalismus sei zu einer Darstellungsform ausgeartet, in der es nicht mehr um Qualität, sondern Quantität gehe, erklärte FES-Vorsitzender Kurt Beck. Er äußerte sich dazu, dass junge Journalisten gut ausgebildet werden müssen und dies heutzutage leider nicht immer der Fall ist. Getreu dem Motto: Content is King. Denn wer viel Content liefert, generiert viele Klicks. Immer mehr Journalisten mutieren zu Zeilenfüllern, haben kaum noch Zeit für Recherche. Darunter leidet die Qualität des Mediums. Denn Journalismus darf heutzutage nichts kosten. Finanziert werden Zeitungen größtenteils durch Werbung, nicht durch den Verkauf des Produkts an sich. Und dies mache diese Branche kaputt, so Beck.

Dr. Eckart von Hirschhausen: „Kritisch sein und hinterfragen“

Besonders beeindruckte uns Teilnehmer Dr. Eckart von Hirschhausen: Der Kabarettist, Publizist und Arzt hielt einen Vortrag über den Perspektivwechsel im Journalismus. Vor allem die Aspekte, die er über den Wissenschaftsjournalismus im Bereich Medizin anführte, - wie zum Beispiel das kritische Hinterfragen von Studien oder der Umgang mit Nachrichten von unbekannten Quellen - weckten meine Aufmerksamkeit, denn dort fand ich mich wieder, als Volontärin für Gesundheitsportale wie MEDICA.de und REHACARE.de.

Er appellierte daran, sich zu trauen in ein Thema einzusteigen und sich nicht von Ungereimtheiten oder zu vielen unterschiedlichen Quellen abschrecken zu lassen. Denn der Mensch sei von Natur aus ein ängstliches Wesen. „Wir haben nur die Gene der vorsichtigen und ängstlichen Vorfahren abbekommen. Von denen, die gesagt haben 'Lass die ruhig draußen die Blumen pflücken, wir gehen erst raus, wenn der Löwe satt ist'.“

Als Beispiel führte er eine gefakte Meldung an, die im März von vielen Newsportalen übernommen wurde. Der Titel: „Schokolade hilft beim Abnehmen“. In einer Studie soll bewiesen worden sein, dass der Verzehr von Schokolade bei der Gewichtsreduktion einen maßgebenden Ausschlag habe. Doch das „Institute for Diet and Health“, welches die Ergebnisse publiziert hatte, existierte überhaupt nicht. Zuerst brachte Bild.de die Schlagzeile, später folgten RTL, Fokus und viele weitere. „An diesem Beispiel könnt ihr sehen, dass es wichtig ist, als Journalist Dinge zu hinterfragen. Vor allem die, die zu gut klingen, um wahr zu sein.“ (Mehr Informationen zur Fake-Studie gibt es hier)

Auch während meiner Arbeit, bei der Aufbereitung von News für unsere Healthcare-Portale, muss ich genau darauf achten, ob es sich wirklich um eine Pressemitteilung zu einem Forschungsprojekt oder einer Studie handelt oder ob hinter dieser Meldung ein Pharmaunternehmen steckt, welches versucht Werbung für eigene Produkte zu machen. Deshalb prüfe ich, ob die Quelle dieser Pressemitteilung eine Universität oder ein Institut ist, die für den Wissenstransfer im Medizinbereich sorgen. Außerdem spielt die Aktualität eine wichtige Rolle. Denn eine Nachricht ist nur eine Nachricht, wenn sie neu ist und nicht wieder aufgefrischt wurde.

Liebe Journalisten: Nicht-Wissen ist menschlich!

Bei der Suche nach Experten für mein Interview, zum Beispiel zum Thema Big Data in der Kardiologie, welches Anfang Mai veröffentlicht wurde, war es wichtig einen Ansprechpartner zu finden, der sich bestens mit dem Thema auskennt und auch bereit ist, kritische Nachfragen zu beantworten. Dazu gehört unter anderem die Frage nach aktuellen Probleme und Schwachstellen, denen sich die Forscher noch stellen müssen. Deshalb ist es wichtig, auch vorab schon einige wichtige Aspekte des Themas und zum Interviewpartner zu recherchieren und ein ziemlich genaues Bild von seiner fachlichen Kompetenz zu erlangen.

„Traut euch zu sagen, wenn ihr etwas nicht wisst. Oft wird erwartet, dass Journalisten und Ärzte Checker sein müssen“, legte uns Hirschhausen nahe. „Das ist der ehrlichste Satz, den ein Journalist sagen kann.“ Denn es gibt keinen Journalisten, der Experte eines bestimmten Themenbereichs ist. Für mich persönlich war diese Aussage von Herrn Hirschhausen besonders wichtig.

Denn gerade bei meiner Arbeit werde ich oft mit Fachbegriffen und Fremdwörtern von Professoren und Ärzten konfrontiert. Doch nicht immer ist mir jeder Begriff geläufig. Um nicht alles während eines Interviews zu hinterfragen und zuzugeben, dass ich eben kein „Checker“ bin, notiere ich mir Fachbegriffe, die ich später recherchiere.

Doch Dr. Eckart von Hirschhausens Appell hat mich dazu ermuntert, dass ich ruhig nachfragen kann, wenn mir ein Begriff nicht geläufig ist. 

Nicht-Wissen ist menschlich, und Recherche und Nachfragen daher unerlässlich. Denn wie schon die Sesamstraße wusste: „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“

Lorraine Dindas

Lorraine Dindas

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