Kleiner Praktikant auf großer MEDICA

Live-Berichterstattung aus den Augen eines beta-web-Neulings

Kleiner Praktikant auf großer MEDICA
Im folgenden Beitrag nehme ich Sie mit auf eine Reise durch unsere gläserne Redaktion und die Hallen der Messe Düsseldorf während der MEDICA 2015. Ich erkläre Ihnen aus der Sicht eines angehenden Journalisten und Messedebütanten, wie hektisch und stressig eine Live-Berichterstattung ist, und welche Erfahrungen ich persönlich für meine weitere Laufbahn sammeln konnte.
Montagmorgen 04:45 Uhr: Der Wecker klingelt. Zwei Stunden früher als sonst. Das Leben ist kein Ponyhof. Während ich mir die Zähne putze und mich in den Abituranzug quetsche, stelle ich mich kurz vor:

Ich bin Kilian Spelleken und seit dem 1. Oktober Praktikant bei beta-web. Im Rahmen meines Studiums zum Technikjournalisten an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg absolviere ich ein 22-wöchiges Praxissemester in Bonn.

05:45 Uhr: Anzug passt noch. Ein bisschen eng... Flach atmen, Kilian... Anzugschuhe glänzen. Schnell ins Auto. Bitte keinen Stau bis Siegburg. Auf geht’s zur MEDICA 2015!

Für mich war schon während der Schulzeit klar, dass ich später Journalist werden möchte. In Zeiten des Onlinejournalismus habe ich mich vergangenes Semester dazu entschieden, speziell in diese Richtung nach einem Praktikumsplatz zu suchen. Die Redaktion für Healthcare-Messen ermöglicht es mir zusätzlich, mein Wissen im Bereich Medizin zu erweitern. Insbesondere die Themen Pflege, Rehabilitation, Behinderung, technische Fertigungen und Produkte werden hier abgedeckt. Dementsprechend kam die Zusage von beta-web wie gerufen.

06:20 Uhr Siegburg: Auto geparkt und in Peters Messe-Shuttle-Service umgestiegen. Zu fünft ganz schön eng, aber es sind ja nur 80 Kilometer. Sollte man in einer guten Stunde eigentlich schaffen. Hoffe ich zumindest. Die Rückbank ist nämlich nicht gerade mein Lieblingsplatz im Auto. Na toll, Stau... Mit den Knien unter meinem Kinn gebe ich Ihnen noch ein wenig Input:

Als Dienstleister der Messe Düsseldorf betreut beta-web ganzjährig die drei Healthcare-Messen REHACARE, COMPAMED und MEDICA sowie die zwei Handelsmessen EuroCIS und EuroShop. Hierzu gehört selbstverständlich auch die tagesaktuelle Fachredaktion der fünf Online-Magazine – auch Tagesgeschäft genannt.

Im ersten und zweiten Gang nach Düsseldorf. Mittlerweile 07:00 Uhr. Und die Zeit rennt. Um 07:45 Uhr ist Redaktionssitzung auf dem Messegelände.

Während der Messezeit dreht beta-web vor Ort Filmbeiträge und Themenreportagen, führt Interviews für schriftliche Beiträge, sammelt Impressionen, Aussteller- und Besucherstimmen, stellt die Vorträge in den Foren vor und erstellt Fotostrecken zu ausgewählten Themen.

07:50 Uhr, Düsseldorf: Endlich angekommen. Presseausweis und Sondergenehmigung vorgezeigt und ab zur gläsernen Redaktion. Ganz schön riesig die Stände hier. Und das sage ich mit meinen 1,98 Meter. Einfach überwältigend!

Mit knapp 5.800 Austellern füllen die beiden Fachmessen MEDICA und COMPAMED alle 19 Hallen der Messe Düsseldorf. Die Medizintechnikmessen erstrecken sich auf 250.000 Quadratmeter Fläche und sind somit weltweit die größten Messen auf diesem Gebiet. Das anliegende Spielfeld der Esprit Arena würde gut 23 Mal auf das Gelände passen. Da wären selbst die Jungs, die ich seit zehn Jahren trainiere, nach einmal überqueren fix und fertig. Unsere gläserne Redaktion in Halle 16 mit ihren 48 Quadratmetern war dagegen vergleichsweise winzig.

08:00 Uhr in der gläsernen Redaktion: Immerhin wusste ich hier nach drei Tagen, wo ich alles finde. Was ich vom Messegelände nach drei Wochen noch nicht hätte behaupten können – aber zum Glück meine Kollegen, die bereits seit Jahren hier herkommen. Keine Zeit für lange Gespräche. Ran ans Tagesgeschäft. Denn auch das läuft während der Messe weiter.

Zwischenzeitlich musste die gläserne Redaktion Platz für 31 Personen bieten, die 18 Stunden täglich für die Live-Berichterstattung im Einsatz waren. Darunter sieben Redakteure, sechs Kameramänner, fünf Tonassistenten, vier Cutter, fünf Kundenberater, zwei Web 2.0 Redakteure, ein Redakteur für die Seitengestaltung und der Chef vom Dienst. Vier Schnittplätze, fünf Laptops, vier Kameras und zwei Digicams sind da fast schon zu wenig, um alles im vorgegebenen Zeitraum zu bewältigen.
 
09:45 Uhr: Auf zum Dreh der COMPAMED Besucherstimmen. Einen Kilometer Fußweg. Zwölf Minuten also, um noch mal meine vorbereitete Anmoderation durchzugehen. Meine Füße brennen vor Schmerz. Anzugschuhe sind nicht meins.

Für beta-web finden MEDICA und COMPAMED nicht nur während der vier Messetage statt. Denn nur eine gute Vorbereitung in den Wochen davor hilft bei einem reibungslosen Ablauf. Themen werden recherchiert, Termine vereinbart und vorab Gespräche mit Ausstellern und Experten geführt. Das Orgateam sorgt dafür, dass die Zeit optimal ausgeschöpft wird, um das Maximum an Beiträgen und Videos rauszuholen.
 
Foto: Bunter Plan für die Liveberichterstattung
Dass hierbei jeder der Anwesenden einen vollen Tagesplan hat, zeigt das Foto des Live-Berichterstattungsplans.
 
Speicherkarte vergessen. Nochmal zurück. Sind wir schon bei zwei Kilometern. Immer diese vergesslichen Praktikanten. Ich hole alles aus meinen Schuhen raus, was bei den Schmerzen noch möglich ist.

Zeit, um zwischendurch mal die Füße zu entspannen, bleibt während der Messe nicht. Apropos Füße: 75.000 Schritte (etwa 45 Kilometer) legte ein Fachredakteur an den vier Messetagen zurück.
 
10:10 Uhr: Endlich angekommen in Halle 8a. Natascha, meine Drehpatin, und Kamerateam Julian und Andreas warten bereits mit Kamera, Mikro und Tontasche auf mich. Hat nur einer der Beteiligten Verspätung, wackelt der ganze Live-Berichterstattungsplan. In diesem Fall meine Schuld. Licht, Ton, Klappe und los geht’s.

Auf Augenhöhe stehen, das Mikrofon eine Handlänge vom Interviewpartner entfernt halten, die Besucher geradeheraus ansprechen. Wer meint, es sei leicht bei über 130.000 Besuchern (davon knapp 19.000 auf der COMPAMED) ein paar Statements einzufangen, der irrt sich gewaltig. Gerade morgens ist das eine Herausforderung. Besonders auf internationalen Messen wie MEDICA und COMPAMED es sind. Ob bayerisch oder sächsisch, da hat jeder einen anderen Dialekt, sei es auf Deutsch oder Englisch. Da ist die Verständigung oftmals ziemlich schwierig und ich habe noch nicht von den Interviews auf indischem Englisch gesprochen.

12:15 Uhr: Alle 20 Statements im Kasten. 30 Minuten Rohmaterial für drei Minuten Endprodukt. Die Zeit rennt. Schnell zurück zum Schnitt. Halt! Anmoderation vergessen. Zum Glück ist der Kopf angewachsen. Wieder zurück. Ich wünsche mir meine Chucks. Aufregung, Schweiß, Puder und los!
 
Doch auch bei der Anmoderation muss einiges beachtet werden. Das Wichtigste: Nicht krampfhaft in die Kamera schauen und den Text frei sprechen. Außerdem sollte das Atmen zwischen den Sätzen nicht vergessen werden. Mit dem Anzug keine einfache Aufgabe.

12:45 Uhr: Zurück zum Cutter. Schnell noch auf dem Rückweg ins ECON Forum reingehört. Foto, kurzer Text und raus in die Welt damit. Mit Twitter und Facebook heutzutage alles möglich. Unsere Leser sollen schließlich über die neuesten Trends sofort informiert werden. Mittagspause? Was ist das? Um die Uhrzeit müsste ich sowieso über eine Stunde anstehen. Und dann noch die Preise.

Nach dem Dreh geht das Rohmaterial an den Schnittplatz, wo es von Redakteur und Cutter gesichtet wird. Hier wieder: Vier Augen sehen besser als zwei. Sind die brauchbaren Stimmen selektiert, werden sie in der bestmöglichen Reihenfolge angeordnet. Hierbei wird unter anderem auf die Positionierung des Interviewpartners vor der Kamera geachtet. Abwechslungsreich muss es sein. Sind Redakteur und Cutter der Meinung, das Video sei zur Veröffentlichung bereit, muss es noch von einem weiteren Redakteur abgenommen werden. Anschließend stellt der Chef vom Dienst, welcher für die Liveseiten verantwortlich ist, das Video online.

15:00 Uhr: Das Video ist online. Los geht’s zum nächsten Dreh. Das ganze wieder von vorne. Diesmal aber als Schnittbegleitung.

Hierbei geht es vor allem darum, den Drehablauf zu dokumentieren und die gelungenen Takes für den Schnitt festzuhalten.

21:00 Uhr: Feierabend-Bier und Pizza. Nach einem harten Tag gibt es doch nichts Schöneres. Außer dem eigenen Bett vielleicht. Also ab ins Auto und heimwärts. Auf der Fahrt lasse ich den Tag noch einmal Revue passieren.

Obwohl es zum größten Teil sehr stressig war und meine Schuhe von all dem Laufen qualmten, hatte ich eine Menge Spaß. Vor allem aus journalistischer Sicht habe ich viele neue Erfahrungen sammeln können. So lernte ich beispielsweise auch, dass ein Journalist aus jeder Information, sei sie noch so dürftig, einen Mehrwert ziehen kann.

Und wenn ich ehrlich sein darf: Mit dieser Art von Stress umzugehen und trotz Erschöpfung konzentriert zu bleiben, ist eine Kunst, die ich noch perfektionieren muss.

24:00 Uhr: Endlich im Bett. Schnell noch bequemere Schuhe bestellt, aber leider erst für die nächste Messe. Ich freue mich auf die EuroCIS im Februar. "Der Wecker klingelt in 4 Stunden und 45 Minuten".
 
Foto: Kilian Spelleken
In all der Hektik haben wir nicht einmal geschafft, ein Foto von mir zu machen. Daher hier ein Standbild von mir während der Anmoderation.
Kilian Spelleken

Kilian Spelleken

                                  



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