Ein haariger Dreh mit Spitzenreitern

Zu Besuch beim Training der deutschen Equipe der Paradressurreiter

Redakteurin Natascha moderiert neben einem Pferd
Videobeiträge zu drehen, macht mir extrem viel Spaß. Erst recht, wenn ich an einem Ort drehen darf, der mich als Reiterin selbst in den Bann zieht, wie beim Dreh über die Paradressur an der Landes-Reitschule in Langenfeld. Doch wie läuft so ein Dreh überhaupt ab und wie wird daraus eine fertige Reportage? Ein Einblick ...
Das Projekt: ein Videodreh im Auftrag der Messe Düsseldorf für das REHACARE-Portal, das sich mit dem Thema selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderung befasst.
 
Das Thema der Reportage: die Equipe der deutschen Dressurreiter mit körperlichen Behinderungen trainiert für die Europameisterschaft in Deauville in Frankreich.

Meine Aufgabe im Vorfeld: recherchieren, was die Reiterwelt gerade bewegt, Ansprechpartner finden, Drehzeit und -ort festlegen, die Drehgenehmigung der Landes-Reit- und Fahrschule Rheinland einholen, das Kamerateam engagieren.

Vor Ort: Interviewpartner finden, die mir möglichst anschaulich, verständlich und ungezwungen dabei helfen, die Reportage und ihr Thema für ein sehr breites Publikum darzustellen.

Über die Location: Auf dem großzügigen Gelände in Langenfeld trainieren nicht nur die deutsche Equipe und unzählige Reitschüler, hier findet auch die Ausbildung der Reitlehrer aus NRW statt. Darunter auch mein Vater, der mir im Vorfeld von der Reitanlage vorgeschwärmt hatte. Zu Recht! Mehrere Dressurreitplätze, ein riesiger Springplatz, der komplett umritten werden kann und ein Geländeparcours ähnlich wie beim Military-Reiten boten schließlich auch die abwechslungsreichen Kulissen für die Interviews, die ich mit Reitern, Trainer und Teamchefin führte.
 
Die Interviews in Szene setzen: Zwar wusste ich schon vor dem Dreh, dass mir Interviewpartner zur Verfügung stehen würden, wer genau sich trauen würde, ergab sich dann aber erst vor Ort. Insgesamt waren es sechs Personen – das ist ein guter Schnitt in der kurzen Drehzeit eines Vormittags.
 
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Den Interviewpartnern die wesentlichen Inhalte entlocken: Aus jedem Interview etwas heraus zu kitzeln, was der andere noch nicht erwähnt hat, war der wesentliche Knackpunkt meiner Gespräche. Von den einen erfuhr ich so, warum sich ihr Leben komplett um den Pferdesport dreht und was die EM ihnen bedeutet. Die anderen erklärten, wie der Sport mit Hilfsmitteln, die etwa fehlende Arme, Beine oder beides kompensieren können, funktioniert. Und dass es gar nicht so ungewöhnlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Freund Pferd hat schließlich vier lange Beine und ersetzt manchen Reitern sogar das Augenlicht.

Das Salz in der Suppe: Auch kritische Töne gab es bei meinen Gesprächen mit der Equipe. Mangelnde Fördermöglichkeiten und Sponsoren für exzellente Pferde beschäftigen die Mitglieder im Behindertenreitsport noch viel mehr als im Regelsport. Schließlich ist Reiten ein teures Unterfangen. Außerdem schaffen es sogar weltweit führende Reitsport-Veranstaltungen wie die CHIO in Aachen zur größten Verärgerung der Paradressurreiter nicht, die Paradressur-EM innerhalb dieser Veranstaltung aufzunehmen. In anderen Ländern ist das bereits Gang und Gäbe.

Im Nachklapp – 1. der Rohschnitt: Nach dem Dreh geht es in der Postproduktion ans Eingemachte: Das Rohmaterial, also alle Aufnahmen, die wir an diesem Tag gemacht haben, filtern, Szenen und Musik auswählen und die einzelnen Elemente mit unserem Creative Director bei beta-web, Peter Schmitz, zusammen zu fügen. Um ehrlich zu sein, ist das einer der schwierigsten Parts in der gesamten Produktion für mich. Denn die Auswahl bestimmt darüber, welche Aussage der Film schlussendlich vermitteln wird.

2. Off-Texte einsprechen: Nach dem Rohschnitt ging es ins Tonstudio, um die Off-Texte einzusprechen, die Zusatzinformationen geben und neue Interviewpartner vorstellen.

3. der Feinschnitt: alle Elemente zusammenfügen; im Zeichen der Barrierefreiheit für hörbehinderte Personen Untertitel einfügen, die zuvor abgetippt und für die englische Version übersetzt wurden; den Film in der Redaktion abnehmen lassen und "schon" kann das Video veröffentlicht werden. In diesem Fall auf REHACARE.de und den dazugehörigen Social-Media-Kanälen.

Die Reaktionen: Nachdem das Video in alle Kanäle von der REHACARE-Seite über Twitter und Facebook gestreut worden war, stellte sich heraus, dass das Thema ganz unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Unter den Reitern fanden wir Zustimmung für die kritischen Punkte und Freude darüber, dass die Paradressur einmal beim Training und nicht nur bei großen Turnieren präsentiert wird. Nichtreiter staunten darüber, mit welcher Leichtigkeit der Sport funktioniert und dass "das überhaupt geht". Na klar geht das! Und wie!

Mein persönlicher Eindruck: Ich war tief beeindruckt von der Gelassenheit der Pferde und der Reitkunst des Teams – Pferde wie Reiter waren topfit und konzentriert bei der Sache. Ich war beeindruckt, nicht etwa, weil sie "trotz" Behinderung reiten, sondern weil es so normal war, was ich sah. Die körperlichen Einschränkungen bedeuten zwar im Alltag, ständig zu improvisieren und anders an Gegebenheiten heranzutreten. Schlussendlich zählt beim Sport aber das Ergebnis, dass sich dann später auch sehen lassen konnte: Das Team brachte zwei EM-Titel und sechs Bronzemedaillen nach Hause. Mein Lieblingspferd des Tages, ein brauner Wallach mit schwarzer Mähne, Don Turner, war allerdings nicht dabei - leider war er nicht fit.

Lust bekommen, einmal reinzuschauen? Hier geht es zum Video "Paradressur - Die deutsche Nationalmannschaft traniert für die EM 2015"
Natascha Mörs

Natascha Mörs

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